Dieser Beitrag verfolgt nicht die Absicht, Kampfsportsarten schlecht
darzustellen, sondern will objektiv ohne jegliche Vorurteile den
Unterschied zwischen Kampfsportarten und Selbstverteidigungsstile
darlegen.
Die Fachschulen für Selbstverteidigung von Sifu Niko
stehen in engen freundschaftlichen Kontakt zu verschiedenen
Kampfsportschulen und deren Lehrer. Wir sehen uns als eine große Familie
mit verschiedenen Schwerpunkten.
Vergleicht man Kampfsport mit Selbstverteidigung, so ergeben sich wesentliche Unterschiede in Aufbau und Zielsetzung.
Hier die wesentlichen Unterscheidungskriterien:
Versportlichung durch Wettkampf
Kampfsport
verfolgt den Einsatz der Technik für den sportlichen Wettstreit. Daraus
ergibt sich die Notwendigkeit sportliche Leistungen objektiver und
messbar zu machen. Aus diesen Gründen versucht man faire und gleiche
Ausgangsbedingungen zu erzeugen. Dies macht sich in der Einteilung in
Gewichts- und Erfahrungsklassen, aber auch in der Unterscheidung der
Geschlechter bemerkbar. Entsprechend sind die Schwerpunkte des Training
auch ausgelegt.
Ein Wort zur Verletzungsgefahr: obwohl man
versucht die Verletzungsgefahr durch weitere Regelungen einzudämmen -
z.B. Schutzausrüstung (Hand-, Fuß-, Körper- und Kopfschutz), Verbot des
Nachschlagens, Verbot gewisser Angriffstechniken, Einschränkung auf
bestimmte Angriffsziele etc. - zeigt die Praxis ein ganz anderes Bild.
Der Grund hierfür liegt darin, dass die Wettkampfteilnehmer oftmals um
jeden Preis triumphieren wollen. Die Erwartungshaltung, welche ihr
Lehrer und zuschauende Bekannte und Freunde in ihnen erzeugen, kann so
groß werden, dass der Teilnehmer bereit ist Risiken einzugehen, für
welche er kampftechnisch betrachtet noch nicht reif ist. So sieht man in
der Praxis, trotz Sicherheitsvorkehrungen, häufig unschöne Auftritte
und teils schwere Verletzungen.
Es stellt sich uns zwangsläufig
die Frage nach dem Sinn. Wenn jemand Kampfsport betreibt um körperliche
Fitness herbeizuführen, seine Gesundheit zu erhalten und zugleich
Unversehrtheit zu gewährleisten, sollte er sich dann einem erhöhten
Risiko durch Wettkämpfe aussetzen? Wie brutal und gesundheitsschädlich
solcher „Sport“ im Extremfall sein kann, sehen wir an den exzessiven
Ultimate-Fights-Turnieren (cagefighting).
In den Fachschulen für Selbstverteidigung gibt es keine Wettkämpfe!
Das
Wing Tzun - System orientiert sich bei der Heranführung des Lernenden
an der Praxis, angepasst an dessen tatsächlichen Leistungs- und
Könnenstand. Der Schüler soll Fortschritte machen, gefordert, jedoch
nicht überfordert werden. Dazu bedarf es der Leitung und Aufsicht eines
erfahrenen Lehrers, der den Schüler bis an die Leistungsgrenze bringen
kann, ohne ihn jedoch zu verletzen.
Praxisbezug und Spezialisierung
Kampfsportarten
sind vergleichbar mit Ärzten die sich auf ein spezielles Gebiet
konzentrieren. Wenn wir von Zahnschmerzen geplagt werden, so vertrauen
wir uns selbstverständlich diesem darauf spezialisiertem Facharzt, statt
z.B. einem Allgemeinmediziner an. So ist z.B. die Domäne des Boxers die
mittlere Distanz der Arme, während der Taekwondo-Sportler in der langen
Distanz ausgesprochen geschickt seine Beine als Waffe einsetzt und der
Ringer oder Judo-Sportler wiederum die Entscheidung am Boden sucht.
In
der Praxis jedoch ist für die Selbstverteidigung ein übergreifendes
Wissen und Können notwendig, da körperliche Bedrohungen in jeder der 5
möglichen Phasen bzw. Distanzen eines Kampfes stattfinden können:
1. Beindistanz („Langstreckenwaffen“)
2. In der mittleren bzw. Armdistanz
3. Nah- bzw. Ellbogen/Knie-Distanz
4. Wurfphase d.h. Distanz des Körperkontakts
5. Boden-Phase, Verteidigung am Boden
In
dieser Hinsicht weisen die spezialisierten Kampfsportarten
Unzulänglichkeiten auf. So hat ein Boxsportler beispielsweise Probleme,
wenn er durch Fußtritte in der langen Distanz bedroht wird, da er solche
Situationen im Training niemals durchgespielt hat. Eine Taekwondo
trainierende Frau kann ihre Tritte im Auto oder in engen Räumen bei
einem Übergriff nicht anwenden. Der Judosportler oder Ringer bekommt
nicht die Möglichkeit zu greifen, da er vielleicht durch Faustschläge
zuvor attackiert wird, oder bei seiner Arbeitsweise mit der Kontrolle
des Gegners am Boden zu sehr beschäftigt ist, dass er sich gegen mehrere
Angreifer zugleich am Boden kaum verteidigen kann.
Diesem
Praxisbezug wollen die Selbstverteidigungskünste gerecht werden. Da sie
in allen 5 Phasen des Kampfes operieren, wird verständlich, dass die
Beherrschung dieser Phasen wesentlich mehr Zeit für das Erlernen und
zugleich ein großes Maß an Körperbeherrschung erfordert. Wir sprechen
deshalb auch von Kampfkunst. Ein Vertreter dieser Gattung ist unter
anderen unser Wing Tzun - System.